Teil eines Werkes 
3. Theil (1833)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Nein, ſprach ſie; ihr Blick war jedoch ſchon auf einen andern Gegenſtand gefallen, und ſie ſah freundlich lächelnd dem Spiele des Capitains und Virginiens zu.

Dieſer ſchien trotz des harten Kampfes, der zwiſchen ihm und dem Oberſten ſtatt gefunden, mit dem Hauſe in einer nähern Berührung zu ſtehen. Er hatte kaum der Frau ſeine Ehrfurcht bezeugt und ſich im Kreiſe herum verbeugt, als er ſich Virginien näherte, die bey ſeinem Eintritte glühend roth geworden war, doch ſich eben ſo ſchnell in eine ernſte etwas ſtolze Miene gezwun⸗

gen, und die Hand zurückgezogen hatte, die er vergeblich

zu erfaſſen geſucht. Roſa hatte abwechſelnd den jungen Mann und ihre neue Schweſter angeſehen. Sie ſchwebte nun auf letztere zu und ſah ſie bedeutſam lächelnd an.

Sieh doch, ſprach ſie,wie flehend ſein Blick auf dir ruht. Er iſt ein Häuptling, aber ſanft und milde wie eine Taube.

Eine ſchöne Taube; lachte Virginie, wenn du ſie kennteſt, dieſe Taube.

Liebe, meine Schweſter, liſpelte Roſa ihr zu, vergißt ſich ſelbſt, um nur das Lächeln der Freude auf dem Geſichte des Bruders hervorzulocken.

Mein wunderliebliches Kind, ſprach Virginie, um deinetwillen ſey ihm vergeben. Und ſie reichte dem Capitain ihre Hand.

Meine Lieben! ſprach der Oberſte, der ein ſtummer Zeuge der artigen Vermittelungsſcene geweſen war,