— 8—
zwiſchen den zwey feingebildeten reizenden Mädchen zu ſehen, wie ſie aus den Armen der einen in die der an⸗ dern flog, und ſich im erſten Augenblicke beyder Herzen erobert hatte. Sie ſchienen ſich nicht ſatt an ihr ſehen und küſſen zu können. Selbſt die dem weiblichen Ge⸗ ſchlechte angeborne Schwäche, die ſich in ſchönen Kin⸗ dern beym Anblicke eines noch ſchönern ſo unwillkürlich und verzeihlich regt, war hier verſtummt. Die reine ungekünſtelte Natur hatte über Schwächen und die kalten herzloſen Formen des geſellſchaftlichen Lebens auf einmal geſiegt.
„Sieh doch, Bruder! was wir hier haben?“ froh⸗ lockte Gabriele einem elegant gekleideten Jünglinge zu, der an die reizende Gruppe herangekommen und, nicht minder erſtaunt, erſt jetzt bemerkt wurde.
„Mein Bruder!“ liſpelte Roſa, indem ſie ſeine Hand
Zutraulich erfaßte und ihn verwundert anſah.
„Komm, ſüßes Kind zur Ma!“ riefen nun beyde ſie erfaſſend und jubelnd einer würdevollen Dame zueilend, die das liebe Kind freundlich willkommen hieß.
„Du biſt ja ein holder Engel!“ rief Virginie, die, als Roſa in den Armen der Mutter hing, erſt Zeit hatte ihren Anzug zu muſtern.„Und wahrlich,“ fuhr ſie in drolliger Verwunderung fort,„im neueſten Geſchmacke angezogen. Sieh doch nur, Gabriele, dieſe allerliebſte ſchwarzſeidene Robe, wie unvergleichlich ſie ſie kleidet, und die niedlichen Prunelle⸗Halbſtiefelchen; und der


