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und Freunde! und beſonders Ihr, theurer Freund und Oberſt, und geehrte Landsmännin und Braut!— Erlaubt mir, einem alten Manne, ſeinem Toaſt ein Paar Worte voranzuſchicken.“
„Habe von achtzig Jahren fünfzig verlebt, ohne zu kennen, was man einen Herzensfreund, einen ſich ſelbſt vergeſſenden Freund nennt, einen Freund, treu bis in den Tod. Hatte zwei Freunde, auf die ich mich immer verlaſſen, und die mich auch nie verlaſſen. Und war der Eine— der große Freund droben, und war der Andere— mein Selbſt. Und waren das die beiden einzigen wahren Freunde, und calcu⸗ lirte nicht, daß es noch einen dritten geben könne.— Gab aber einen dritten, und zwang ſich dieſer dritte in mein Herz ein und meine Seele, und lehrte mich Etwas kennen, das ich auf dieſer Erde nicht kennen gelernt hatte: wahre Freundſchaft. Und ſind nun dreißig Jahre, daß ich kenne, dreißig Jahre, daß ich weiß, was Freundſchaft iſt, was ich in meinen frü⸗ her verlebten fünfzig Jahren nicht gekannt, nicht ge⸗ wußt. Und preiſe ich dieſe glückliche Kenntniß, und will ſte in Ehren halten alle Tage meines Lebens, und ſollen es meine Kinder. Habe aber die Notion,


