Teil eines Werkes 
12. Theil, Lebensbilder aus der westlichen Hemisphäre : 4. Theil : Pflanzerleben : 2. Theil (1846)
Entstehung
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das auf dem dunkelgrünen verſteinerten Geſichte Euch wunderbar anſpricht. Ihre Augen ſind tief einge⸗ fallen, und bloß ein zeitweiliges Schimmern des Weißen verräth, daß ſie der Sehkraft nicht ganz beraubt iſt. Sie iſt ein maleriſches hundertjähriges Fragment, die alte Toni, wie ſie daſitzt, in dreifache Wolldecken, trotz der lieblich milden Lüfte, gehüllt. Wie ſte Louiſen hört, erhebt ſie ihre Stimme, es iſt mehr röchelndes Geächze, als menſchliche Stimme; ſte ſtreckt ihre klap⸗ perdürre Rechte aus der Wolldecke heraus, und er⸗ faßt die Hände Louiſens, und preßt ſie in die ihrigen, und ſchlägt ihre Augen auf, ſenkt ſie aber wieder, die Abendröthe iſt zu grell für ſie.Mon bon enfant! kreiſcht ſie endlich. Und Louiſe ruft ihr zu: Toni! Toni! Du mußt in die Hütte, die Abendluft wird zu kühl für Dich, und die Alte nickt, und wir heben ſie und führen ſie ihrer Hütte zu, in der eine ihrer Urenkelinnen mit ihr wohnt, und laſſen ſie auf ihrem Bette nieder, und die Alte kreiſcht ein nochma⸗ liges Bon enfant! Und Louiſe frägt ſie, ob ſie zu⸗ frieden, ob ſie keinen Wunſch habe? Den hat ſie nicht, zur Ehre Menou's ſey es geſagt, der die Alte wie ſeine eigene Großmutter nährt und