Teil eines Werkes 
11. Theil, Lebensbilder aus der westlichen Hemisphäre : in fünf Theilen : 3. Theil : Pflanzerleben : 1. Theil (1846)
Entstehung
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architektoniſchen Wirrwar. Ja, es iſt das Vaterhaus, das ſie zum Erſtenmale betritt, ſeit ſte es gegen das meinige vertauſcht hat. Es ſteht abermals vor ihr, wie der Baum der Erkenntniß rückt es ihr die Vergan⸗ genheit vor die Augen, die Gegenwart, die Zukunft; jene Tage, wo ſte heiter und grün, eine unentfaltete Knoſpe, am blumigten Gängelbande älterlicher Für⸗ ſorge umherſchwirrte, roſige Düfte athmend, keine Sorgen kennend, als die, wie der Schmetterling von einem unſchuldigen Genuſſe zum andern zu flattern! Und nun die Gegenwart mit ihren Plackereien des Alltaglebens und ſeinen Mühen und Laſten, die ſie mir tragen hilft, und die graue Zukunft, im düſtern Nebelvorhange verſchleiert, mit bleiernen Armen im Hintergrunde weilend! Alles das ſteht vor ihr, und die Erkenntniß, ob ſte gut oder bös gewählt, ſteht auch vor ihr, ſie iſt in dieſem Augenblicke wie ein Schild auf das Vaterhaus geſchrieben. Ja, es iſt ein für ſie, für mich momentaner Augenblick, denn er ſagt ihr, mir, ob ich ſie, ob ſie mich glücklich gemacht.

Ich ſchaute ſie bewegt, ängſtlich an.

Ihre in Thränen ſchwimmenden Augen hängen noch immer in ſtiller Wehmuth am Vaterhauſe, an