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gemacht, die dem Kentuckier fatal werden kann, die Entdeckung einer gewiſſen Gemeinheit, einer Gemüths⸗ Oede; bereits iſt etwas wie Widerwille auf ihren holden Geſichtern zu leſen.—
Woher kommt doch dieſes feine Gefühl bei Wei⸗ bern, das bei weit weniger Scharfblick, als wir Männer haben, wieder um ſo viel tiefer eindringt, lebendiger anſchaut? Liegt es im zarteren organiſchen Baue, im reizbarern Nervenſyſtem, das jeden rauhe⸗ ren Anklang lebhafter in ihnen oseilliren macht, ihre Gemüther ſtärker durchſchauert? Oder im feinern Takt der durch Leidenſchaften nicht getrübten An⸗
ſchauung? Oder dem natürlichen Widerwillen gegen
Alles, was gemein, fühllos iſt? Sicher iſt es, daß dieſer zarte Takt, dieſe ſenſitive Reizbarkeit bei Frauen, die reinen unbefleckten Herzens ſind, ſtark hervor⸗ tritt,— daß jeder rauhere Anklang in ihrem ganzen organiſchen Syſtem ſtärker wiederhallt, als bei uns, zwar wieder verklingt, aber doch Spuren zurückläßt.
„O George!“ flüſtert mir Louiſe mit ungemein weicher Stimme zu.
„Theure Louiſe.“
„Arme Julie.“—


