Druckschrift 
Die Grabesschuld : nachgelassene Erzählung / von Charles Sealsfield ; herausgegeben von Alfred Meissner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42

dem Vordergebäude an, im Hintergrunde ſteht das

Preßhaus. Alles befindet ſich ganz in demſelben Zuſtande, in welchem es vor fünfzig Jahren ge⸗ weſen. In dieſem Hauſe lebte der Mann, deſſen das Teſtament Sealsfield's erwähnt, der Ortsrichter und Ge⸗ meindevorſtand Anton Poſtl. Er war ein Bauern⸗ ariſtokrat, der in ſeinem kleinen Bauernbeſitzthum ein ſtrenges Regiment führte. Aeltere Leute erinnern ſich noch ſeiner als einer ziemlich großen Geſtalt mit ſcharf ausgeprägten Zügen, corpulent, meiſt in einem dunk⸗ len Bauernrock, Sammtmancheſterhoſen, Schnallen⸗ ſchuhen. Er war ein jähzorniger Charakter, der lieber gefürchtet als geliebt ſein wollte. Wenn er ſeinen Weg durchs Dorf nahm, grüßte Alt und Jung ehrer⸗ bietig, denn man hatte Beiſpiele, daß der geſtrenge Herr Ortsrichter den Haslinger gern ſchwang. Selbſt die eigene Familie fühlte nicht ſelten die ſchwere Hand des grimmen Haustyrannen.

Der alte Ortsrichter hatte, wie das Teſtament ganz richtig ſagt, fünf Söhne und zwei Töchter. Der älteſte Sohn Karl war am 3. März 1793 geboren und kam auf das Gymnaſium nach Znaym. Er war ein ehrgeiziger Knabe, den die Ferien nicht freuten,