— 2 7—
licher iſt, als die Gelehrſamkeit. Ohne Zwei⸗ fel wird man mir hier einwenden: daß man das Studium angenehm zu machen wiſſen muͤſſe, wenn es von Nutzen ſeyn ſolle, und dasjenige nie aus den Augen verlieren duͤrfe, was Taſſo geſagt hat:
„Wir reiben den Rand des Kelchs mit Honig, wenn wir ihn einem kranken Kinde reichen. Getaͤuſcht durch dieſe unſchuldige Hin⸗
terliſt verſchlingt es den unangenehmen, aber
heilſamen Trank, und die wieder erlangte Ge⸗ ſundheit iſt die ſuͤße Frucht ſeines Irrthums.“ Man wird nicht ermangeln, mich zu erin⸗ nern, daß man heutiges Tages die abſtracteſten Wiſſenſchaften ſpielend lehrt. Mit Kartenſpiel lernt das Kind Geſchichte und Mathematik. Hoffentlich wird es nicht bey dieſem erſten Ver⸗ ſuch bleiben, und man ſich kuͤnftig keiner an⸗ dern Methode bedienen, um Moral und Reli⸗ gion zu lehren; auch duͤrfte dieſe Sorge nicht mehr den ernſthaften, durch Alter und Wuͤrde Furcht und Ehrerbietung einfloͤßenden Perſonen anvertraut werden, ſondern den liebenswerthen Bewohnern des Cirkels der großen Welt. Darf ich aber ſo frey ſeyn, ſie meinerſeits zu fragen, ob nicht zu befuͤrchten ſteht, daß die jungen Leute, die nur ſpielend ſtudirten,


