Adelaide war, in der That, einer der vie⸗ len traurigen Beweiſe, von den Wirkungen hals⸗ ſtarriger Leidenſchaften und verderbten Grundſaͤze. Lord Lindore hatte ſie blos geheirathet um ihre Ehre einigermaſſen wieder herzuſtellen. Zwar war er zu gebildet, um ſie uͤbel zu behandeln, aber ſeine Gleichguͤltigkeit verwundete ihren Stolz und ihre Eitelkeit. Gleich vielen Andern hatte ſie ſich, thoͤrichter Weiſe, eingebildet, wenn ſie der Tugend um des Geliebten willen entſage, ſo ſei dieſer ihr auch ewige Dankbarkeit und Ver⸗
ehrung ſchuldig. Jezt aber erwachte ſie aus
dem truͤgeriſchen Traum, fand ſich freundlos und verlaſſen in einem fremde Lande, und der Gegen⸗ ſtand der Gleichgültigkeit desjenigen, für welchen
ſie Alles verließ.
Nur Lady Juliane ſah, von Allem dieſem, nicht das Mindeſte ein. Sie war entzückt uͤber dieſen Beweis der Liebe ihrer Tochter, die ſie bei ſich zu haben wuͤnſche; und die Ausſicht zu einer Reiſe ins Ausland erſchien ihr wie eine paradieſiſche Erſcheinung. So ſchnell als moglich bereitete ſie ſich zu dieſer Reiſe, und während ihrer Geſchaͤftigkeit verlor ſie Mariens Angelegenheiten aus den Augen. Sie ſchien ſogar ängſtlich, ih⸗ re Tochter nur irgendwo unterzubringen, damit dieſe ſie nicht in ihren Planen ſtoöre. Auf dieſe Weiſe war ihre Einwilligung, zu Mariens Ver⸗ bindung, leicht zu erlangen.
Heirathe wen es Dir beliebt,“ ſagte ſie.
„Crinnere Dich aber, daß ich nicht für die


