„Dein Gewiſſen iſt allzuzart,“ erwiederte Emilie,“ und dennoch wuͤnſche ich Dich nicht an⸗ ders als Du biſt. Welch ein Engel biſt Du, daß Du Dich gegen eine ſolche Mutter, mit ſo vieler Geduld und Sanftmuth, ja ſogar mit Ach⸗ tung, betragen kannſt! Wie wenig kennen doch diejenigen die menſchliche Natur, die da wähnen, nur große Menſchen, vermoͤgten große Hanblun⸗ gen zu thun. Jezt ſehe ich recht gut ein, daß mehr wahre Croͤße in der Seele eines Weibes herrſchen kann, als in den glaͤnzendſten Thaten
eines Helden. Mir dünkt, ich ſelbſt könnte eher eine Feſtung ſtuͤrmen helfen, als mich ſelbſt be⸗ herrſchen. Jammer und ſchade daß wir, Du und
ich, nicht unſere Rollen vertauſchen koͤnnen. Die meinige iſt allzuleicht und ich ſchmachte nach ein wenig Ungluͤck in meiner Liebe. Meine Heirath iſt ein alltaͤgliches Ding, und es bringt mich zum Gähnen wenn ich daran denke. Stelle Dir nur meinen Aerger vor, als Papa mir heute Morgen ſagte, er habe nicht das Mindeſte gegen meine Heirath mit Eduard; wir koͤnnten heira⸗ then wann es uns beliebte. Zwar glaube er, wir haͤtten etwas Kluͤgeres thun können, aber das ſei unſere Sache, nicht die ſeinige. Ferner fuͤgte er hinzu, er balte Eduard fuͤr einen arti⸗
gen, gutgelaunten jungen Mann; er hoffe ihn bald als Befehlshaber eines Kriegsſchiffes zu ſehen, er ſelbſt habe jedoch keinen Einfluß auf die Admi⸗
ralität. Geld konne er uns nicht geben, was er ſehr beklage; wir koͤnnten aber bei ihm, in
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