118 kann, doch in Anſehung der Reinheit ſeiner Abſichten im Allgemeinen ein wahrhaftes Recht hat, als einer der beſten Herrſcher des morgenländiſchen Kaiſerthums betrachtet zu werden.
Eine Zeitlang vergaß die ſchoͤne Geſchichtſchreiberin den Stolz ihrer Schriftſtellerwürde und ſchrie wie ein gewoͤhnliches Weib, weinte, riß ſich die Haare aus, und entſtellte ihre Zuͤge. Die Kaiſerin Irene legte ihr kaiſerliches Gewand ab, ſcheerte ſich die Haare, vertauſchte ihre Purpurſtiefeln mit ſchwarzen Schuhen, und empfing von ihrer Tochter Marie, die ſelbſt Wittwe geweſen war, ein ſchwarzes Gewand aus ihrer Fleiderkammer.„In demſelben Augen⸗ blicke, wo ſie es anlegte, ſagte Anna Comnena, gab der Raiſer ſeinen Geiſt auf; und von dieſer Zeit an ging die Sonne meines Lebens unter.“—
Wir wollen ihr nicht weiter in ihren Klagen fol⸗ gen. Sie macht es ſich zum Vorwurf, daß ſie nach dem Tode ihres Vaters, dieſes Lichtes der Welt, auch Irene überlebt haͤtte, die Freude des Morgen⸗ und Abendlandes, ja ſelbſt ihren Gemahl.— Ich bin un⸗ willig, ſagt ſie, daß meine, von ſolchen Stroͤmen des ungluͤcks überſchuͤttete Seele noch meinen Leib bele⸗ ben mag. Bin ich nicht haͤrter und fuͤhlloſer als Felſen geweſen, und iſt es nicht recht, daß Diejenige, welche einen ſolchen Vater, eine ſolche Mutter und einen ſolchen Gatten uͤberleben konnte, ſo vielem Un⸗ gluc unterworfen worden iſt? Doch ich will dieſe


