29 lein dieſe heftige Rede gehört hatte, laßt euch ſo lange, als ich bei euch bin, von der kalten Vernunft leiten. Wenn wir aus einander ſind, ſo mag euch der Teufel des irrenden Ritterthums, der von euch Beſiß genommen hat, auf ſeine Schulter nehmen und euch fortführen, wohin er will!
Du biſt ein Thier, ſagte der Graf, indem er ihn mit einer zu dieſem Ausdrucke paſſenden Miene der Verachtung anſah; ein Thier nicht allein ohne alles menſchliche Gefühl, ſondern auch von einem jeden Ge⸗ fühl der Ehre und der Schaam entblößt. Das ver⸗ ächtliche Thier ſieht nicht mit Ruhe ſeines Gleichen Gefährten nahen. Der Stier empfängt ſeinen Neben⸗ buhler mit den Hörnern,— der Hund zeigt ihm die Zähne,— der furchtſame Hirſch ſelbſt wird wüthend, und durchbohrt ihn mit ſeinem Geweihe.
Weil dieſes Thiere ſind, antwortete der Waͤringer; und weil ihre Weibchen Geſchöpfe ohne Schaam und Vernuuft ſind, welche nichts von einer verſtändigen Wahl wiſſen. Aber du, Graf, kannſt du nicht die deutliche Abſicht dieſer armen Dame ſehen, welche von der ganzen Welt verlaſſen iſt, dir die beſchworene Treue zu bewahren, indem ſie den Schlingen ausweichet, womit die Böſewichter ſte umgeben haben? Bei der Seele meines Vaters! mein Herz iſt von dem Anblicke ſo vieler Gewandtheit, verbunden mit ſo viel Ehre und Tugend, dergeſtalt gerührt, daß ich ſelbſt in Er⸗ mangelung eines beſſeren Kämpen meine Streitaxt zu ihrer Vertheidigung aufheben würde.


