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ten ſie ſich, ſchoͤne Graͤfin, ſeit jener Zeit nicht geaͤn⸗ dert haben? Ihr habt ein Land verlaſſen, wo das Menſchenblut bei der geringſten Herausfoderung ver⸗ goſſen wird, und ſeyd in eine Gegend gekommen, wo der Hauptgrundſatz iſt, die Graͤnzen der menſchlichen Gluͤckſeligkeit durch alle erdenklichen Mittel zu erwei⸗ tern. In eurem Abendlande iſt derjenige am geach⸗ tetſten, welcher am beſten ſeine tyranniſche Gewalt auszuüben verſteht, indem er Andere elend macht; in unſerem friedlicheren Reiche dagegen ſparen wir unſere Kraͤnze fuͤr den geiſtreichen jungen Mann oder die liebenswurdige Dame auf, welche am beſten den⸗ jenigen, der ihr ſeine Zuneigung geſchenkt hat, gluͤck⸗ lich zu machen verſteht.
Aber, ehrwürdiger Philoſoph, ſagte die Graͤfin, da ihr euch mit ſo viel Kunſt bemüht das Joch des Ver⸗ gnügens anzupreiſen, wißt ihr wohl, daß ihr alle meine Begriffe, die mir ſeit meiner Kindheit gegeben worden ſind, verwirrt? In dem Lande, wo ich erzogen worden bin, ſind wir von der Annahme euerer Grundſätze ſo weit entfernt, daß wir uns nur wie der Löwe und die Löwin vermählen; das heißt, wenn der Mann das Weib zur Anerkennung ſeines höheren Verdienſtes und ſeiner größeren Tapferkeit gezwungen hat. Dieſes iſt ſo ſehr Sitte bei uns, daß ſelbſt ein Fraͤulein niederen Standes ſich herabzuſetzen glaubte, wenn ſie einen Ge⸗ liebten heirathete, der ſich noch keinen Namen durch ſeine Thaten gemacht hätte


