84 auch wirklich nur ein Thier iſt, kann es da nicht et⸗ wa einen Gedanken der Erkenntlichkeit haben? Ich habe ja von Troubadours das rührende Gedicht von Androkles und dem Löwen ſingen hören.— Doch will ich mich bei ihm vorſehen.
Nach dieſen Betrachtungen ſtand er auf, und ließ den Waldmenſchen ein Gieiches thun. Dieſer ſchien von dieſer Handlung des Erbarmens gerührt zu ſeyn, denn er murmelte einige Laute mit leiſer und flehender Stimme, welche zugleich um Gnade zu bitten und für die ſchon erhaltene zu danken ſchien. Er weinte, als er aus ſeiner Wunde das Blut fließen ſah, und ſchien mit einem Geſichte, das jetzt menſchenähnlicher war, wo es einen Ausdruck des Leidens und der Trauer trug, mit Beben das Urtheil eines Weſens zu erwar⸗ ten, das mächtiger war als erx.
Die Taſche, welche der Ritter unter ſeiner Rüſtung trüg, konnte nur wenig enthalten; doch befand ſich darin ein Fläſchchen mit Wundbalſam, welchen der Graf oft nöthig hatte, etwas Charpie und eine kleine Rolle Leinwand. Er nahm alle dieſe Gegenſtände, und bedeutete dem Thiere, es ſolle ſeine verwundete Hand vorſtrecken. Der Waldmenſch gehorchte nur zö⸗ gernd ünd mit einer Art Widerwillen. Der Graf goß einige Tropfen Balſam auf die Wunde und verband ſie, indem er zum Kranken in ernſtem Tone ſagte, daß er vielleicht Unrecht thaͤte, an ihm einen ſo köſt⸗ lichen Balſam zu verſchwenden, welcher eigentlich nur


