107 denn ob er gleich friedfertig iſt, wie es dem geziemt,
der jede Gewaltthat fuͤr eine Beleidigung ſeiner ei⸗ genen Seele haͤlt, ſo werden doch weder Waſſerflu⸗ khen, noch die Furcht vor Schlingen, noch das gezogene Schwert, das der Gegner auf dem Pfade ſchwingt, ihn von ſeinem Vorhaben abhalten. Mag ihn alſo auch der Solway hinabſchlingen, oder das Schwert des Feindes ihn zu toͤdten drohen, dennoch ſteht meine Hoffnung nur auf Ihm, der alle Dinge leitet, der die Wellen der See lenkt, und uͤberwaͤltigt die Anſchlaͤge der Boshaften, und der uns erloͤfen kann, wie den Vogel aus dem Netze des Vogelſtellers.“
Dieß war alles, was Fairford von Miß Geddes erfahren konnte, aber er hoͤrte mit Vergnuͤgen, daß der gute Quaͤker, ihr Bruder, viele Freunde habe un⸗ ter ſeinen Glaubensgenoſſen in Cumberland, und er hielt ihn fuͤr faͤhig, einige Spuren von Darſie Lati⸗ mer zu entdecken, obne ſich einer ſo großen Gefahr aus⸗ zuſetzen, als ſeine Schweſter zu befuͤrchten ſchien. Erx felbſt ritt zuruck nach Dumfries, nachdem er der Miß Geddes ſeine dortige Addreſſe zuruͤckgelaſſen, und ſie inſtändig gebeten hatte, ihm jede Nachricht mitzu⸗ theilen, die ſie von ihrem Bruder erhalten koͤnnte.
Als Fairford nach Dumfries zuruͤckgekommen war, wandte er die kurze Zeit, die ihm noch vor dem Eß ſen uͤbrig blieb, dazu an, einen Bericht von Latimers Aufalle und von der jetzigen Ungewißheit ſeiner Lage an Mr. Samuel Griffith zu machen, durch deſſen Hand die Geldſendungen fuͤr ſeinen Freund regelmaͤßig ge⸗ gangen waren, und er ſetzte den Wunſch hinzu⸗ daß er ſogleich mit demjenigen Theile ſeiner Geſchichte bekannt gemacht werden moͤchte, die ihn bei den Nach⸗ forſchungen leiten koͤnnten, welche er in den Grenp grafſchaften anzuſtellen Willens war, und die er durch⸗ aus nicht aufgeben wolle, bis er Nachrichten von ſei⸗ nem Freund erhalten haͤtte, mochte er nun leben oder todt ſeyn. Der junge Rechtsgelehrte fuͤhlte ſich leich⸗ ter, als er dieſen Brief abgeſchickt hatte. Er konnte


