Teil eines Werkes 
16. Band, Redgauntlet : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhundert : 2. Bändchen (1826)
Entstehung
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gen Augenblicken meine Handlungen von Perſonen lei⸗ ten laſſe, die zufaͤllig in meiner Naͤhe ſind, ſtatt mir die Muͤhe zu geben, fuͤr mich ſelbſt zu denken und zu entſcheiden. Seit einiger Zeit hatte ich einen Diener und Boten, einen Knaben Namens Benjamin in meine Dienſte genommen; er war der Sohn einer gewiſſen Wittwe Coltherd, welche in der Naͤhe des Schaͤferbu⸗ ſches wohnt. Ich geſtehe ein, daß in der letzten Zeit der Knabe einen groͤßeren Einfluß auf meine Handlungen ausübte, als der Unterſchied, welcher zwiſchen unſerem Alter und unſerem Stande obwaltete, es haͤtte zulaſ⸗ ſen ſollen. Jetzt wandte er alle Ueberredungskuͤnſte an, mich glauben zu machen, es waͤre das groͤßte Vergnuͤ⸗ gen, das man ſich denken könne, zuzuſehen, wie man bei der Ebbe die Fiſche aus den Reuſen hole, welche in der Solway aufgeſtellt ſind, er drang ſo ſehr dar⸗ auf, daß ich doch dieſen Abend hingehen ſollte, daß ich, wenn ich es mit den uͤbrigen Umſtaͤnden vergleiche, nicht anders glauben kann, als daß er einen beſonde⸗ ren Beweggrund dazu hatte. Ich erwaͤhne dieſe Klei⸗ nigkeiten, damit, im Falle dieſe Papiere in Freundes Haͤnde fallen, der Knabe aufgeſucht und verhoͤrt werde.

Da alle ſeine Beredtſamkeit mich nicht uͤberzeugen konnte, daß das unnüͤtze Zappeln der Fiſche, welche die zurücktretende Fluth in den Reuſen zuruͤck laͤßt, ein großes Vergnuͤgen gewaͤhren koͤnne, ſo fioͤßte er mir hinterliſtiger Weiſe den Gedanken ein, daß Mr. und Mrs. Geddes(eine in der Nachbarſchaft wohl bekann⸗ te, ehrenwerthe Familie, mit welcher ich in freund⸗ ſchaftlichen Verhaͤltniſſen ſtand) es wahrſcheinlich uͤbel nehmen wuͤrden, wenn ich ſie ſo lange nicht beſuchte. Beide, ſagte er, haͤtten ſich eifrig nach der Ürſache erkundigt, die mich bewogen haͤtte, geſtern ſo ploͤtzlich ihr Haus zu verlaſſen. Ich beſcloß alſo, nach Mount Sharon zu wandern und mich zu entſchuldigen, er⸗ laubte zugleich dem Knaben, mich zu begleiten und meine Ruͤckkehr aus dem Hauſe abzuwarten, damit