Teil eines Werkes 
15. Band, Redgauntlet : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhundert : 1. Bändchen (1826)
Entstehung
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anzuvertrauen. Doch weißt Du, daß der Tag meiner Prüfung feſtgeſetzt iſt; ſchon bin ich den Examinatoren vorgeſtellt worden, ſchon iſt meine Theſis beſtimmt. Frellich ſollte mich das Alles nicht zuruͤck halten, aber mein Vater wuͤrde eine Unregelmaͤßigkeit bei dieſer Gele⸗ genheit als einen Todesſtreich betrachten, fuͤr alle Hoff⸗ nungen denen er in ſeinem Leben am meiſten nachhing, naͤmlich daß ich mein Examen mit einigem Glanz beſtehen wuͤrde. Ich, meines Theils, weiß wohl daß es nicht viel Schwierigkeiten hat dieſe Pruͤfung zu beſtehen, wie haͤt⸗ ten ſie ſonſt manche aus unſerer Bekanntſchaft beſtehen koͤnnen? Aber fuͤr meinen Vater ſind dieſe Formalitaͤten eine erhabene, ernſte Feyerlichkeit nach welcher er ſich ſchon lange ſehnte, und wenn ich mich in dieſem Augen⸗ blick entfernte, ſo konnte es ihn nah an Wahnſinn bringen. Doch werden meine Gedanken ſtets abweſend von mir ſeyn, wenn Du mich nicht umgehend verſicherſt daß Du hieher eilſt. Unterdeſſen habe ich die Hanna gebeten, Dein kleines Zimmerchen in den moͤglichſt beſten Stand zu richten. Ich kann nicht erfahren ob mein Vater Dir ſchon geſchrieben hat; auch hat er von ſeiner Unterredung mit Birrenswork nichts mehr geſprochen; aber wenn ich ihn auch nur eine Spur von der Gefahr merken laſſe, in welcher Du ſchwebſt, ſo bin ich uͤberzeugt daß er meine Bitte um Deine ſchleunige Ruͤckkehr gut heißen wird.

Noch ein Grund Ich muß herkoͤmmlicher Weiſe, unſern Freunden bei meiner Aufnahre ein Mittageſſen geben, und mein Vater der bei dieſer Gelegenheit alle ſeine gewoͤhnlichen Ruͤckſichten auf Oekonomie beſeitigt, wuͤnſcht daß es recht glaͤnzend werde. Komme alſo her, beſter Darſie, oder ich ſchicke, ich ſchwoͤr' es Dir zu, Pruͤfung, Mittageſſen und Gaͤſte zum Treufel, und komme, perſoͤnlich Genngthuung von Dir zu fordern.

Der Deinige, in großer Angſt. A. F.