196
mia's Entfernung war ihr daher im Ganzen an⸗ genehm, und erſt in dem Augenblicke, wo ſie zum Erſtenmahl in ihrem Leben ſich trennen ſoll⸗ ten, fuͤhlte ſie die ſchweſterliche Bekuͤmmerniß in ihrer ganzen Staͤrke. Als ſie ſich mit Kuͤſſen bedeckten und ſich einander die Haͤnde druͤckten, benutzte Johanna dieſen Augenblick zaͤrtlicher Re⸗ gungen, um ihrer Schweſter vorzuſtellen, wie
nothwendig es waͤre, in ihrem Betragen waͤh⸗
rend ihres Aufenthalts in Edinburgh die aͤußerſte Vorſicht zu beobachten. Euphemia hoͤrte ihr zu, ohne auch nur einmahl die langen ſchwarzen Au⸗ genwimpern aufzuſchlagen, woraus die Thraͤnen⸗ tropfen, wie aus einer Quelle, hervor drangen. Als Johanna ſchwieg, ſchluchzte Euphemia, kuͤß⸗ te ihre Schweſter, und verſprach, aller guten Er⸗ mahnungen eingedenk zu ſein. So ſchieden ſie.
In den erſten Wochen that Euphemia alles, was ihre Muhme erwartete, ja noch mehr; mit der Zeit aber ließ der erſte Eifer nach, den ſie im Dienſte gezeigt hatte. Wir borgen noch einmahl die Worte des Dichters,*) der lebende Sitten ſo treu und ſchoͤn beſchreibt:
*) Crabbe,


