183 auf eine halbe Stunde, ja auf eine Stunde ausge⸗ dehnt, und nun ſelbſt dieſe letzte Gräͤnze uͤberſchrit⸗ ten. Johanna ſtand vor der Thuͤre, hielt die Hand vor die Augen, um ſich gegen die Strahlen der
tief ſtehenden Sonne zu ſchirmen, und blickte abwechſelnd auf die verſchiedenen Pfade, die zu ihrer Wohnung fuͤhrten, ob ſie die holde Geſtalt ihrer Schweſter unterſcheiden koͤnnte. Der ſo⸗ genannte Koͤnigspark war durch eine Mauer mit einem Stege von der Straße getrennt, und da⸗ hin richtete ſie oft ihre Blicke, bis ſie zwei Ge⸗ ſtalten ploͤtzlich erſcheinen ſah, die ſich ſo dicht an die Mauer hielten, als haͤtten ſie der Beob⸗ achtung zu entgehen gewuͤnſcht. Eine derſelben, ein Mann, zog ſich ſchnell zuruͤck, die weibliche Geſtalt aber kam uͤber den Steg und naͤherte ſich ihr. Es war Euphemia. Sie trat zu ihrer Schweſter mit jener erkuͤnſtelten Munterkeit, die man in ihrem Stande, und wohl auch unter Vor⸗ nehmern, annimmt, um Ueberraſchung, oder Ver⸗ legenheit zu verbergen, und traͤllerte, als ſie kam: Der Elfenritter am Ufer ſaß, Wo Ginſter waͤchſt froͤhlig, wo Ginſter wächſt Iſchon; Und ſingend ging ein Maͤgdlein fuͤrbaß⸗ Und wir duͤrfen nun nicht mehr zum Ginſter gehn.


