Teil eines Werkes 
95. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 2. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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der Commandant von Stirling, nach London gekommen war, um dem Koͤnig die Nachricht zu hinterbringen, daß Stir⸗ ling, die letzte ſchottiſche Stadt von Bedeutung, welche noch den Englaͤndern gehoͤre, uͤbergeben werden muͤſſe, wenn ſie nicht vor der Mitte des Sommers mit Gewalt entſetzt wer⸗ de, ſo wurden alle engliſchen Edelleute aufgefordert und ih⸗ nen bedeutet, daß es eine Suͤnde und ewige Schande waͤre, wenn man zugeben wollte, daß die ſchoͤne Eroberung, welche Eduard I. gemacht, nur aus Mangel an Kampfluſt den Schot⸗ ten uͤberlaſſen wuͤrde. Es wurde daher beſchloſſen, daß der Koͤnig ſelbſt mit ſo viel Etreitkraͤften, els er nur zuſam⸗ menbringen koͤnne, nach Schottland marſchiren ſollte.

In Folge deſſen ſammelte Koͤnig Eduard II. eine der groͤß⸗ ten Armeen, welche je ein Koͤnig von England kommandirte; aus allen ſeinen Beſitzungen wurden Truppen geſchickt. Viele tapfere Soldaten aus den franzoͤſiſchen Provinzen, die der König in Frankreich beſaß, viele Irlaͤnder und Welshlaͤnder und alle Großen aus dem engliſchen Adel mit ihrem Gefolge wurden in eine große Armee vereinigt. Ihre Anzahl belief ſich auf nicht weniger als 100,000 Mann.

Koͤnig Robert Bruce dagegen forderte, nachdem er die großen Vorbereitungsanſtalten des Koͤnigs von England er⸗ fahren, alle ſeine Edellente auf, ſich mit ihm zu vereinigen. Sie waren um viele tauſend Mann ſchwaͤcher, als die Eng⸗ laͤnder; ſie waren kaum uͤber 30,000 Mann ſtark, und weit ſchlechter bewaffnet, als die reichen Englaͤnder; aber Robert,⸗ welcher ſich an ihre Spitze geſtellt hatte, war einer der er⸗ fahrenſten Feldherrn der damaligen Zeit, und die Offiziere welche er unter ſich hatte, waren ſein Bruder Eduard, ſein Neffe Nandolph, ſein treuer Begleiter Douglas und viele an⸗ dere erfahrne und tapfer⸗ Fuͤhrer, welche dieſelben Leute