Teil eines Werkes 
95. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 1. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
Einzelbild herunterladen

74

beſchraͤnkt und mit der groͤßten Strenge behandelt. Dieſe Neuigkeiten erfuhr Bruce, waͤhrend er in einer erbaͤrmlichen Wohnung auf der Inſel Rachrin wohnte und ſich beinahe der Verzweiflung Preis gegeben ſah.

Um dieſelbe Zeit wahrſcheinlich hat ſich auch eine Begeben⸗ heit ereignet, welche, obgleich ſie in der Familie Bruce ſelbſt nur Sage bleibt, den Gebraͤuchen der damaligen Zeit zuge⸗ ſchrieben werden kann. Bruce ſoll, nachdem er die letzten un⸗ guͤnſtigen Nachrichten von Schottland erhalten hatte, eines Morgens auf ſeinem aͤrmlichen Lager gelegen ſeyn und ſeinen Gedanken Audienz ertheilt haben, wobei ihm in den Sinn ge⸗ kommen, ob es wohl nicht beſſer waͤre, wenn er allen Anſpruͤ⸗ chen auf die ſchottiſche Krone entſagen, ſeine Anhaͤnger fort⸗ ſchicken und ſich mit ſeinem Bruder in das heilige Land bege⸗ ben wuͤrde, um ſein Leben im Kampſe gegen die Saracenen zu beſchließen. Hiedurch glaubte er vielleicht fuͤr den in der Kirche zu Dumfries an Comyn begangenen Mord Vergebung des Himmels erhalten zu koͤnnen.

Auf der andern Seite hielt er es fuͤr verbrecheriſch und feig, ſeine Verſuche zur Wiederbefreiung Schortlands aufzu⸗ geben, gerade weil er jetzt am wenigſten auf guͤnſtigen Erfolg eines Unternehmens rechnen durfte, das(wenn gleich der Aberglaube ſeines Zeitalters anders denken ließ), genau be⸗ trachtet, weit mehr ſeine Pflicht war, als die Unglaͤubigen aus Palaͤſtina jagen zu helfen.

Waͤhrend Bruce ſo in Gedanken verloren und zweifelhaft war, was er thun ſolle, ſah er aufwaͤrts an dem Gebaͤlke der Huͤtte, in welcher er lag, und wurde eine Spinne gewahr, welche, an dem Ende eines langen Faden ihres eigenen Ge⸗ webes haͤngend, verſuchte(wie es dieſe Thiere gewoͤhnlich thun), ſich von einem Balken zum andern zu ſchwingen. Die