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waren uͤbrigens nicht im Stande ſich Schottlands zu bemaͤch⸗ tigen, ob ſie gleich es ſehr oft verſuchten. Die zwei Laͤnder ſtanden unter verſchiedenen Königen, welche ſehr oft und ver⸗ zweiflungsvoll mit einander fochten; daraus erhellt auch, warum England und Schottland, obgleich Theile ein und der⸗ ſelben Inſel, ſich lange Zeit bekriegten. Dein Vater wird dir beide Laͤnder auf der Karte zeigen, und du mußt bemer⸗ ken, wie Schottland voll kleiner Berge, wilder Suͤmpfe und Haiden iſt. Doch faͤllt mir eben bei, mein Junker Hugo iſt ſchon gereiſt, und hat mit ſeinen eigenen Augen England und Schottland geſehen; uͤbrigens ſchadet es nicht, einen Blick auf die Karte zu werfen.
Die Englaͤnder ſind ganz verliebt in ihr ſchoͤnes Land; ſie nennen es Alt⸗England, und meynen, es ſeye das ſchön⸗ ſte Land, das die Sonne beſcheine. Die Schotten ſind auch ſtolz auf ihr Land mit ſeinen großen Seen und Bergen und in der alten Volksſprache nennen ſie es„das Land der Seen und Berge und der braven Leute,“ oder oft auch„das Land der Kuchen,“ weil das Volk in Ermanglung des Waizenbrods großentheils von Kuchen aus Hafer lebt. Derzeit ſind ubri⸗ gens beide Laͤnder, England und Schottland, Theile ein und deſſelben Koͤnigreichs und man fragt nicht, welches das beſte Land ſeye und in welchem die brayſten Leute wohnen.
Dies iſt nur ein langweiliges Kapitel, Junker Hugo; da ich nun aber im Begriff ſtehe eine Menge Geſchichtchen von Enaland und Schottland zu erzaͤhlen, ſo halte ich es fuͤr ſehr zweckmaͤßig, daß Du aufmerkſam zuhoͤrſt, was fuͤr ein Land ich abhandeln werde. Die naͤchſte Geſchichte wird Dir mehr Unterhaltung gewaͤhren,
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