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einigkeiten und Unordnungen, und Kriege brachen aus; daher ſchickte der roͤmiſche Kaiſer den Truppen, welche er in Britan⸗ nien unterhielt, den Befehl zu, daß ſie unverzuͤglich in ihr eigenes Land zuruͤckkehren, und den Britten uͤberlaſſen ſollten, ihre Mauer, ſo gut ſie koͤnnen, gegen ihre unruhigen und krieg⸗ liebenden Nachbarn, gegen die Pikten und Schotten zu verthei⸗ digen. Die roͤmiſchen Truppen bedauerten die armen Britten ſehr, doch konnten jene nicht mehr fuͤr letztere thun, als die Vertheidigungsmauer ausbeſſern; ſie bauten daher noch alles auf, was ſchadhaft war, und machten die Mauern ſo ſtark, als ſie neu geweſen; dann beſtiegen ſie ihre Schiffe und ver⸗ ließen die Juſel.
Nach der Abfahrt der Roͤmer waren die Britten durchaus nicht im Stande, die Mauern gegen die Barbaren zu verthei⸗ digen; denn ſeit ihrer Unterjochung durch die Roͤmer waren ſie ſchwach und feig geworden. In Folge deſſen wurde ihr Land von den Pikten und Schotten verderbt und verwuͤſtet, ihre Juͤnglinge und Maͤbchen weggenommen und in Sclaverei gefuͤhrt, ebenſo wurden ſie ihrer Schaaf⸗ und Viehheerden be⸗ raubt, ihre Haͤuſer abgebrannt, und endlich waren ſie allen moͤglichen Chikanen ausgeſetzt. Nachdem ſich die Britten ſelbſt fuͤr unfaͤhig hielten, jenem barbariſchen Volke Widerſtand zu leiſten, riefen ſie eine Schaar Deutſcher um Beiſtand an, welche hierauf nach Britannien zogen und Angelſachſen genannt wurden.
Dieſe waren nun ſehr tapfere und kriegeriſche Leute; ſie kamen in ihren Schiffen aus Deutſchland, landeten im ſuͤdli⸗ chen Theil Britanniens, fochten mit den Britten gegen die Pikten und Schotten, und trieben dieſe in die Berge und feſten Plaͤtze ihres eigenen Landes auf die noͤrdliche Seite der Roͤmermauer zuruͤck; ſeit der Zeit verhielten ſich jene etwas ruhiger gegen ihre Nachbarn. 3


