506 gen, als der ſanfte bebende Kuß ihrer Muttter
auf ihre Lippen und Augenlieder gedruͤckt wurde. —„Enthuͤllt eure Lampe noch einmal, Monica. Kann dieß die kleine Schlaͤferin ſeyn, die ehe⸗ dem hier ruhte? Weder Grahame, noch Delancy, noch ihr habt ſie ſchoͤn genug gemahlt. Meine ſchoͤne Eliſabeth,— wie bluͤhend! wie voll Le⸗ ben und Geſundheit!“ Sie blickte auf ihre Tochter, um deren Lippen jezt ein fanftes Laͤ⸗ cheln ſpielte, kniete dann nieder und hauchte
ſchweigend ein muͤtterliches Gebet fuͤr ihr ein⸗
ziges Kiyd. Endlich ſtand ſie auf, ergriff den Arm der Monica und ſagte:„Ich habe ſie jezt geſehen, und bin zufrieden. Ich muß ſie verlaſſen; allein ich laſſe ſie beiſammen, und mein Herz iſt mitten unter ihnen.“ in „Haͤtte Eliſabeth dem Antriebe ihrer Gefuͤhle zu gehorchen gewagt, ſo wuͤrde ſie ſich an den Hals ihrer Mutter gehaͤngt, und Thränen der Zaͤrtlichkeit und Freude geweint haben. Sie oͤffnete ihre Augen und ſah dieſe lebende Mutter — einen verſchwindenden Schatten.... Die Stunde war jezt ſo ſpäͤt, daß das Hell⸗ dunkel, des Nachthimmels gegen die See hin von Myriaden von Strahlen bebte, die alle von jenen hellen Regenbogenfarben ſchimmerten, die bei einer glaͤnzenden Morgendaͤmmerung das Gewand des neugebornen Lichtes ſind. Eliſa⸗ beth ſtand auf, und kleidete ſich in die ihrer Mutter gehoͤrende Morgenkleidung, die Monica zu ihrem Gebrauche in ihrem Zimmer gelaſſen hatte. Sie ſuchte ihr Haar mit der heitern Grazie der ſchönern Locken, welche die Stirne


