— 257⁷
und luſtige, zuweilen aber gar unſittliche und ent⸗ weihende Poſſen, ſich fuͤr die Entbehrungen zu entſchaͤdigen, die ihm zu andern Zeiten aufgelegt wurden. Die Gebrauche und Feierlichkeiten der Kirche ſelbſt aber wurden am haͤufigſten auf dieſe Art laͤcherlich gemacht, und, ſeltſam genug, ſogar mit Zuſtimmung der Geiſtlichkeit.*) So lange die Prieſterherrſchaft in vollem Glanze ſtand, ſcheint man die Folgen einer ſo unehrerbietigen Vertrau⸗ lichkeit des Volkes mit heiligen Dingen nicht ge⸗ fuͤrchtet zu haben; man meinte, der Laie gleiche zu ſehr dem Ackerpferde, das Zaum und Peitſche darum nicht minder willig ertraͤgt, wenn man ihm auch in ſeltnen Faͤllen erlaubt, auf ſeiner Weide ausgelaſſen zu ſein und in plumpen Spruͤngen gegen ſeinen Herrn und Treiber auszuſchlagen.
Als aber die Zeiten ſich aͤnderten, als Zweifel
gegen die katholiſche Lehre und Haß gegen ihre Prieſter die Anhaͤnger der Glaubensverbeſſerer er⸗ griffen hatten, ſah die Geiſtlichkeit zu ſpaͤt, daß kein geringer Nachtheil aus herkoͤmmlichen Spielen
*) Etwas daruͤber in: Floͤgel's Geſchichte des
Groteske⸗Komiſchen(Liegnitz 1788) S. 159 ff. Theil I. 17


