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der zu gewinnen. Maria uͤbte dieſe oͤffentliche Gerechtigkeit ſcheinbar aus, allein unter Umſtaͤnden, welche den Verbre⸗ cher beguͤnſtigten. Lennox, der Vater des ermordeten Darn⸗ ley, hatte, wie es ſeine natuͤrliche Pflicht war, Bothwell we⸗ gen der Ermordung ſeines Sohns angeklagt. Allein er wurde bei der Verfolgung des Angeklagten wenig unterſtuͤtzt. Man ſchien alles ſo haſtig zu thun, als ob man beſchloſſen gehabt haͤtte, die Wirkungen der Gerechtigkeit zu vereiteln. Lennox erhielt den 23. Maͤrz die Anzeige, daß die gerichtliche Unter⸗ ſuchung am 12. April ſtatt haben werde; und nach der kur⸗ zen Ankuͤndigung von 14 Dagen ſollte er, laut der an ihn er⸗ gangenen Aufforderung, als naͤchſter Verwandter des ermor⸗ deten Monarchen, als Anklaͤger erſcheinen, und die gegen Bothwell erhobene Anklage vertheidigen. Der Graf beklagte ſich daruͤber, daß die Zeit, die man ihm zugeſtanden habe, um die Anklage und die noͤthigen Beweiſe zur Ueberfuͤhrung eines ſo maͤchtigen Verbrechers vorzubereiten, viel zu kurz ſey, allein er konnte keine Verlaͤngerung derſelben auswirken.
Es war Sitte in Schottland, daß Perſonen, die wegen Verbrechen angeklagt waren, vor die Schranken eines Ge⸗ richtshofs in der Begleitung aller ihrer Freunde, Anhaͤnger und Vaſallen erſchienen, deren Zahl nicht ſelten ſo groß war, daß die Richter und Anklaͤger eingeſchuͤchtert wurden, und ſich ſcheuten, in der Unterſuchung fortzufahren; ſo daß die Wirkungen der Gerechtigkeit für den Augenblick vereitelt wurden. Bothwell, der ſich ſchuldig wußte, wüͤnſchte ſich dieſes Schutzmittels in dem hoͤchſtmoͤglichen Grade zu bedie⸗ nen. Er erſchien in Edinburgh mit vollen fuͤnftauſend Be⸗ gleitern. Zweihundert auserleſene Musketiere blieben dicht an ſeiner Seite und beſetzten die Thuͤren des Gerichtshofs, ſobald der Verbrecher denſelben betreten hatte. Unter ſolchen


