Teil eines Werkes 
98. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 4. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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Jakob Hepburn, Graf von Bothwell, ein Mann von mittlerem Alter, hatte ſeit mehreren Jahren eine hervorſte⸗ chende Rolle in dieſen unruhigen Zeiten geſpielt. Er hatte es mit der Koͤnigin Regentin gegen die reformirte Partei ge⸗ halten, und man glaubte, daß er mehr der regierenden Koͤni⸗ gin, als irgend einer der Parteien, die ihr gegenuͤber ſtanden, zugethan war. Er war das Haupt der maͤchtigen Familie Hepburn, und beſaß großen Einfluß in Oſt⸗Lotbian und Ber⸗ wickſhire, wo ſtets treffliche Soldaten aufgebracht werden konnten. In ſeiner Sittlichkeit war Bothwell wild und aus⸗ ſchweifend, in ſeinem Ehrgeize regellos und verwegen; und ohſchon ſeine Geſchichte nicht viele Beiſpiele von perſoͤnlichem Muthe darbietet, ſo ſtand er doch in ſeiner fruͤhern Lebens⸗ periode in dem Rufe eines ſehr beherzten Mannes. Er war

bei Gelegenheit von Rizzio's Ermordung in Gefahr geweſen,

weil man, in Folge ſeiner Achtung für die Koͤnigin geglaubt

hatte, er habe dieſen grauſamen Schimpf gegen ihre Perſon und Gewalt zu verhuͤten geſucht. Da der Graf von Both⸗ well großen Eifer fuͤr Maria's Sache zeigte, ſo fand ſie ſich natuͤrlich bewogen, ihn bei Hof zu befoͤrdern, bis Viele, und beſonders die Prediger der reformirten Religion, glaubten, fie wuͤrdige einen Mann von einem ſo wilden und verworfe⸗ nen Charakter einer zu großen Vertraulichkeit; und die oͤffentliche Stimme klagte die Königin an, daß ſie eine groͤße⸗ re Zuneigung zu Bothwell habe, als verheiratheten Perſonen,

wie ſie beide ſeyen, ihre Pflicht erlaube.

Eine unuberlegte Handlung Maria's ſchien dieſen Ver⸗ dacht zu beſtaͤtigen. Bothwell bekleidete unter vielen andern Aemtern das eines Huͤters aller Graͤnzen,(Lord Warden of all ihe Marches) und hielt ſich in dem Caſtle of Hermitage