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98. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 4. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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eairn und andere begnadigt, waͤhrend Morton und ſeine Ka⸗ meraden ihrerſeits nach England entflohen. Kein ſchottiſcher Unterthan, welches Verbrechens er ſich auch ſchuldig gemacht haben mochte, konnte daſelbſt eine Zufluchtsſtaͤtte ſuchen, oh⸗ ne geheimen Schutz, wo nicht eine offene freundliche Auf⸗ nahme zu finden. Dieß war Eliſabeth's beſtaͤndige Politik.

Abermals ſah ſich die Koͤnigin Maria im Beſitze der hoͤchſten Gewalt, allein großen Verdruß erweckte ihr das thoͤ⸗ richte Betragen ihres Gemahls, deſſen Albernheit und Ueber⸗ muth durch die Folgen von Rizzio's Dod nicht gezügelt wor⸗ den war, ſo daß zwiſchen dem koͤniglichen Ehepaare fortwaͤh⸗ rend das ſchlechteſte Einverſtaͤndniß herrſchte, obſchon ein Schein von Wiederausſoͤhnung es verdeckte.

Den 19ten Innius 1566 wurde Maria von einem Soh⸗ ne, dem nachmaligen Jakob VI. entbunden. Als die Kunde von dieſem Ereigniſſe nach London gelangte, war Eliſabeth

gerade auf einem Balle und mit Tanzen beſchaͤftigt. Als ſie hoͤrte, was vorgefallen war, hoͤrte ſie auf zu tanzen, und ſetz⸗ te ſich nieder, ihren Kopf auf ihre Hand ſtuͤtzend, und ihren Damen in leidenſchaftlicher Aufregung zurufend:Hoͤrt ihr nicht, daß die Koͤnigin von Schottland einen huͤbſchen Sohn hat, und ich bin bloß ein unfruchtbarer Stamm! Allein am naͤchſten Morgen hatte ſie ſich hiulaͤnglich erholt, um ih⸗ re gewoͤhnliche aͤuſſere Hoͤflichkeit ſchimmern zu laſſen. Sie empfing den ſchottiſchen Geſandten mit großer anſcheinender Huld, und nahm das Amt einer Kaufpathe des jungen Prin⸗ zen, das er ihr im Namen der Koͤnigin Maria anbot, mit Dank an. NRach einer glaͤnzenden Feierlichkeit bei Gelegenheit der Taufe des Erben von Schottland, ſcheint die Koͤnigin Maria auf die Beſeitigung der Unordnungen des Adels bedacht ge⸗