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von Umständen, durch die ein Ceheimnifs von so zarter Natur in den Besitz von Personen gekommen war, die sich zu einem solchen Vertrauen auch nicht im mindesten eigneten. Dann fürchtete sie aber auch die Art und Weise, wie Oldbuck sich mit ihrem Vater über die Angelegenheit bespre- chen würde; denn daraufschien seine Absicht ohne Zweifel hinauszugehen. Sie wufste nur zu gut, daſs der wackre Mann, so sehr er seine eignen Vorur- theile liebte, hinsichtlich Anderer, in diesem Punkte eben nicht nachsichtig war, und fürchtete
daher einen sehr unangenehmen Auftritt, falls es zwischen Beyden zu einer Erklärung kommen soll- te. Mit steigender Besorgniſs hörte sie, daſs ihr Vater eine besondere Unterredung wünschte, wor- auf Oldbuck sogleich aufstand, und jenen in sei- ne Bibliothek führte. Sie blieb, um sich mit den Damen von Monkbarns zu unterhalten, allein in jener Zerstreutheit Macbeths, als er, um sein bö- ses Gewissen zu verbergen, die Bemerkungen der Begleiter des Königs über den Sturm der vorigen Nacht anhört und beantwortet, indeſs seine ganze Seele auf das Mordgeschrey lauscht, das, wie er vrufste, die erheben würden, welche in das Ge- mach des schlafenden Dunkan träten*). Allein die Unterhaltung der beyden Männer drehte sich um einen ganz andern Gegenstand, als Fräulein Wardour befürchtete. 8
*) Shakspeare’s Machetk. Act II. Se, 3. A. d. Uebers-
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