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Es sind freylich nur thörichte Dinge. Also: Aldobrand kam in der schlichten Tracht, worin er durch Deutschland gewandert war, und Luther, Melanchthon, Erasmus und andere gelehrte Män- ner besucht hatte, die seine Kenntnisse und die Kraft, mit der er dieselben ausbreitete, nicht gering achteten. Indeſs wollte dasjenige, was in den Augen der Weisheit, Religion und Gelehr- samkeit Achtung verdiente, einem einfältigen und gezierten Weibsbilde, wie sich's denken läſst, wenig behagen, und Bertha wollte ihren ehema- ligen Liebhaber, wie er ihr in dem zerrissenen Wamms, der groben Pelzkappe, den benagelten Schuhen und dem ledernen Schurzfell entgegen- trat, gar nicht wiedererkennen. Er machte in- defs seine Ansprüche geltend, zu der Probe zuge- lassen zu werden, und während die übrigen Wer- ber entweder den Wettstreit von sich gewiesen, oder so schlechte Arbeit geliefert hatten, daſs sie der Teufel selbst nicht hätte lesen können, waren alle Augen auf den Fremden gerichtet. Aldobrand nahte sich bescheiden, fing an zu setzen, ohne einen einzigen Buchstaben, Bindestrich oder Kom- ma auszulassen, und brachte die Lettern in die Form, wobey er nicht ein einziges Spatium ver- rückte. Der abgezogene Probebogen war so rein und fehlerfrey, als ob er eine dreymalige Cor- rectur passirt hätte. Ein allgemeiner Beyfall ward Faust's würdigem Nachfolger zu Theil. Das Mäd-


