Teil eines Werkes 
7. Band (1851) Guy Mannering oder: Der Astrolog : ein Roman / von Walter Scott ; neu übersetzt von Oelckers
Entstehung
Einzelbild herunterladen

185

hoffen, daß wir nach der Gelegenheit, die wir zu religiöſem und 1

ſittlichem Unterricht hatten, gerichtet werden. Sie mußte gewiſſer⸗

maßen als eine unbelehrte Heidin im Schooße eines chriſtlichen Lan⸗

des angeſehn werden; auch müſſen wir uns erinnern, daß die Feh⸗ ler und Laſter ihres in Unwiſſenheit zugebrachten Lebens durch Bei⸗ ſpiele von uneigennütziger Treue, welche ſie faſt mit Heldenmuth bewahrte, ausgeglichen wurden. Ihm, der allein unſre Fehler und Irrthümer gegen unſer Streben nach Tugend abwägen kann, empfehlen wir ſie mit Ehrfurcht, aber nicht ohne Hoffnung.

Darf ich bitten, ſagte Vertram,daß Sie jede anſtän⸗ dige Form beim Begräbniß dieſes armen Weibes geſtatten werden? Ich habe noch eine Baarſchaft, die ihr gehört, in meinen Händen, auf alle Fälle werde ich für die Koſten verantwortlich ſein zu Woodbourne bin ich zu finden

Dinmont, den einer ſeiner Bekannten mit einem Pferde ver⸗ ſehn hatte, rief jetzt laut, daß Alles zu ihrer Rückkehr in Bereit⸗ ſchaft ſei; nachdem Bertram und Hazlewood die Menge, die jetzt auf einige hundert geſtiegen war, ernſtlich ermahnt hatten, in ihrer Freu⸗ de gute Ordnung zu halten, weil die geringſten Uebertretungen zum Nachtheil des jungen Laird ausgelegt werden könnten, wie ſie ihn nannten, nahmen beide nunmehr Abſchied, von dem Geſchrei der Menge begleitet.

Als ſie bei den zerſtörten Hütten von Derncleugh vorüberrit⸗ ten, ſagte Dinmont:Gewiß, Capitain, wenn ihr zu dem euri⸗ gen kommt, vergeßt ihr ſicher nicht, hier ein Häuschen zu bauen; ich würde es wirklich ſelber thun, wenn's nicht in beſſern Händen wäre. Freilich möcht' ich nicht ſelber drin wohnen, nach dem was ſie ſagte; aber wahrhaftig, die alte Elsbeth wollt' ich hinein⸗ ſetzen, die Todtengräberwittwe ihres Gleichen iſt vertraut mit Gräbern und Geiſtern und ſolchen Geſchichten.