90 „Es hat wirklich etwas der Art gegeben,“ fuhr Thiébault fort,„und ich will Euch erzählen, Signor, wie's zuging. Ihr müßt wiſſen, daß der gute König Renèé Alles verſuchte, damit der böſe Geiſt der Schwer⸗ muth von ſeiner Tochter wiche. Ferner müßt Ihr wiſ⸗ ſen, daß der König, erfahren in der Kunſt der Trou⸗ badours und Jongleurs, beſondere Geſchicklichkeit in Anordnung von Umzügen und ſonſtigen geiſtlichen Schau⸗ ſpielen beſitzt, welche die heilige Kirche aufführen läßt, zu erfreuen die Herzen aller Gläubigen. Gewiß iſt, daß es in Anordnung des Zuges am Frohnleichnamsfeſt noch Keiner dem Könige gleich gethan, und die Weiſe,
nach welcher die Teufel den König Herodes geißeln, iſt
von ihm gedichtet. Ebenſo hat ſeine Majeſtät eine ganz neue Muſik für das Palmfeſt geſetzt, kurz— der König zeigt eine glückliche Anordnungsgabe bei den Feſtlichkeiten, die den Weg der Erbauung mit Blu⸗ men beſtreuen, und die Gläubigen unter Geſang und Tanz zum Himmel führen.
„In dieſer Gattung ſich ſtark fühlend, beſchloß der gute König, ſeine ganze Kraft aufzubieten, um den Trübſinn der Königin zu verſcheuchen, der ſich Allen, die in ihre Nähe kamen, mittheilte. Er begab ſich vor nicht langer Zeit, daß die Königin einige Tage,— ich weiß nicht wohin, oder warum„— verreiste, wr⸗ durch der König Zeit erhielt, ſeine Zurüſtungen zu treffen. Als nun ſeine Tochter zurückkam, vermochte er ſie durch dringende Bitten, einem feierlichen Zuge in die Hauptkirche zu Aix anzuwohnen. Unbekannt
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