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daran machen,“ verſetzte der Graf,„wenn Ihr Mar⸗ garethen den begehrten Beiſtand leiſten wollt.“ „»Nehmet, was Ihr verlangt,« erwiederte Karl mit hochſchlagendem Herzen und die Farbe wechſelnd,„nehmt das Doppelte an Mannſchaft und Geld. Gebet mir nur einen Anſpruch an die Provence, und wäre er auch ſo ſchwach wie ein Haar Eurer Königin Margarethe, ich werde draus ein ſtarkes Tau zu drehen wiſſen. Doch— ich bin ein Thor, daß ich einen Träumer an⸗ höre, der nichts dabei zu verlieren hat, wenn er An⸗ dern die abentheuerlichſten Hoffnungen vorhält.“
„Ich bin nicht gewohnt, alſo zu handeln, Herr Her⸗ zog,“ gab der Graf zurück.„Hört mich: René iſt altersſchwach, und verlangt nach Ruhe; weil er aber zu arm iſt, um die ſeinem Rang zukommende Würde zu behaupten, und zu gutmüthig oder zu ſchwach, ſei⸗ nen Unterthanen neue Laſten aufzubürden, ſo will er ſeine Herrſchaft niederlegen——
„Niederlegen! Ihr nehmt mir den Athem, Graf; und was ſagt die ſtolze, ehrgeizige Margaretha dazu? Willigt ſie in dieſen demuͤthigenden Schritt?e
„Der Hoffnung, das Haus Lancaſter in England ſiegen zu ſehen, wuͤrde ſie nicht nur alle ihre Be⸗ ſitzungen, ſondern ſelbſt ihr Leben zum Opfer brin⸗ gen. Und in der That iſt dieſes nicht ſo groß, als es ſcheint; den wenn René ſtirbt, ſo ſpricht der Koͤ⸗ nig von Frankreich die Provence als ein Mannslehen an, und es findet ſich Niemand, der Margaretha's


