90 noch nicht der dringendſte. Noch weit mehr fuͤrchte ich die Politik Ludwigs, der, wenn ich meine Kund⸗ ſchafter nicht groͤblich hintergangen haben, bereits heimlich Eduard den Frieden, einen ſiebenjaͤhrigen Waffenſtillſtand und eine betraͤchtliche Summe ange⸗ boten hat, die ihn in Stand ſetzen wird, England dem Hauſe York zu ſichern.“
„Unmoͤglich, Madame,“ entgegnete Orford,„kein Engländer würde an der Spitze eines ſolchen Heeres ſchmaͤhlich von Frankreich abziehen, ohne mit mann⸗ haftem Sinne wenigſtens einen Verſuch zu machen, die verlorenen Provinzen wieder zu gewinnen.“
„So wuͤrde ein rechtmaͤßiger Prinz denken,“ ſagte Margaretha,„der treue. anhaͤngliche Unterthanen zu Hauſe gelaſſen haͤtte, nicht aber dieſer Eduard, der ſich Plantagenet ſchelten laͤßt, und deſſen Sinn ſo niedrig iſt, als ſeine Abkunft, da ſein wahrer Vater ein gewiſſer Blackburn, Bogenſchuͤtze von Middleham ſeyn ſoll, und er, wenn auch kein Varſtard, doch ein Thronraͤuber iſt*-). Nein, ſolche Geſinnung kann er nicht hegen, jedes Luͤftchen, das von England heruͤ⸗ berweht, bringt ihm die Furcht vor dem Abfalle ſei⸗ ner Unterthanen, uͤber die er ſich die Herrſchaft an⸗ gemaßt hat, er ſchlaͤft nicht im Frieden, bis er nach England zuruͤckgekehrt iſt mit ſeinen Anhaͤngern, die
*) Die Parthei des Hauſes Lancaſter nannte Eduard einen Baſtard, ohne jedoch dieſe Beſchuldigung be⸗ gruͤnden zu koͤnnen. Der Verf.


