62 auf der Mütze trug, ſtack in einer goldenen Agraffe; ſein Wamms war von Büffelleder und auf allen Nah⸗ ten mit Borten beſetzt, über die Bruſt hing eine gol⸗ dene Kette zum Zeichen ſeines Rangs unter den Die⸗ nern des Barons. Er trat haſtig und mit unzufriede⸗ ner, geſchäftiger Miene ein, und hob in ziemlich der⸗ ben Tone an:„Wie, Fräulein, was ſoll das heißen? ſo ſpät noch Fremde auf dem Schloſſe?«
Ungeachtet der langen Abweſenheit von ihrem Ge⸗ burtslande konnte Anna dennoch ſehr gut ſeine Sitten und Gebräuche, und wußte wie ſehr die Edeln ihre Untergebenen ihr Anſehen fühlen ließen.
„Ihr ſeyd ein Lehensmann von Arnheim, Schrecken⸗ wald, und wagt es, mit trotziger Miene und bedecktem Kopfe vor der Gebieterin des Schloſſes zu erſcheinen? Bedenkt, wer Ihr ſeyd, und wenn Ihr mich für Eure Dreiſtigkeit um Verzeihung gebeten, ſo könnt Ihr vor⸗ bringen, was Ihr mir zu ſagen habt.“
Schreckenwalds Hand fuhr wider ſeinen Willen an ſeine Mütze und entblößte ſeine ſtolze Stirne.„Verzeiht, edles Fräulein,« fuhr er nun in milderem Tone fort, „wenn ich in der Eile etwas derb geſprochen. Diee Soldaten des Rheingrafen haben ſich empört, das Ban⸗ ner ihres Herrn zerriſſen und ſich um eine Fahne ver⸗ ſammelt, die ſie das Feldzeichen des heiligen Niklas nennen, mit der Erklärung, ſie wolle Friede halten mit Gott, die Welt aber bekriegen. Das Schloß hier kann ihnen nicht entgehen, denn ſie ſagen, das Erſte⸗ was ſie zu thun haben ſey, daß ſie ſich eines feſten


