Teil eines Werkes 
160. Bändchen = Neue Folge, 10. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 4. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Entstehung
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46 Weg ſtellen, ein Paar werden, ſo glaube ich nicht, daß es eine wahrhaftige Liebe auf Erden gibt, und wenn es auch Ludwig ſagte.“

Als ſie wieder auf Annen's Zimmer kam, fand ſie zu ihrem Erſtaunen, daß dieſe, ſtatt ihren Schmuck anzulegen, das einfache weiße Kleid angezogen hatte, das ſie an dem Tage trug, wo Arthur nach Geier⸗ ſtein kam, ſchnell aber wurde ihr die Bedeutung klar, und ſie rief:„Ihr habt Recht, es iſt am Beſten, wenn Ihr als freimuͤthiges Schweizermaͤdchen ihm entgegentretet.“

„Und doch,“ erwiederte Anna laͤchelnd,„muß ich mich ihm zugleich in gewiſſer Beziehung als die Toch⸗ ter meines Vaters zeigen; hilf mir dieſe Schmuckna⸗ del auf das Band ſtecken, das meine Haare umſchließt.«

Es war ein Buſch aus zwei Geierfedern beſtehend, die ein Opal zuſammenhielt, deſſen Farbe mit dem darauf fallenden Lichte wechſelte, desgleichen Annette in ihrem Leben noch nicht geſehen hatte.

„Nun Fräulein,“ ſagte ſie,„wenn Ihr das huͤbſche Ding da wirklich als Zeichen Eures Ranges tragt, ſo iſt es das Einzige, um das ich Euch beneiden moͤchte, denn es glitzert und wechſelt alle Augenblicke wunder⸗ bar die Farbe, wie unſere Wangen, wenn wir in auf⸗ geregter Stimmung ſind.“

„Ach Annette,“ verſetzte das Fraͤulein, und fuhr mit der Hand uͤber die Augen,„von allem Schmuck, das die Frauen meines Hauſes beſaßen, iſt dieſes Geſchmeide ihnen am verderblichſten geworden.“