29
nig achteten und lachte und ſcherzte mit den jungen Leuten von Arnolds Familie— eine Vertraulichkeit, die vielleicht in andern Laͤndern gefaͤhrlich geweſen waͤre, hier aber bei der Einfalt der Sitten und bei Annettens Charakter nicht ausarten konnte, und im⸗ mer auf dem geraden Wege der Unſchuld und Ehre blieb.
Arthur ſelbſt hatte Annetten viele Aufmerkſamkeit bewieſen, weil er bei den Empfindungen, die er ge⸗ gen ihre Gebieterin hegte, natuͤrlich auch die Gunſt der Zofe zu gewinnen ſuchte. Dieß wurde dem huͤb⸗ ſchen, jungen Mann leicht, zumal, da er ihr freige⸗ big kleine Geſchenke an Putzwaaren machte, die ſie auszuſchlagen nicht uͤber ſich vermochte.*
Die Gewißheit, daß er in Anna's Naͤhe war, und wahrſcheinlich die Nacht unter einem Dache mit ihr zubringen ſollte, trieb Arthur das Blut ſchneller durch die Adern. Seit er uͤber den Rhein gegangen, hatte er ſich zwar einigemal der Hoffnung hingegeben, ſie wieder zu ſehen, die einen ſo tiefen Eindruck auf ſeine Einbildungskraft gemacht hatte, allein ſein Ver⸗ ſtand hatte ihm eben ſo oft geſagt, wie ſchwankend dieſe Hoffnung ſey, und jetzt uberlief es ihn kalt bei dem Gedanken, daß dem Wiederſehen nur der Schmerz ewiger Trennung folgen koͤnne. Doch uͤberließ er ſich ſchon im Voraus dem Genuſſe, den er ſich ver⸗ ſprach, ohne viel an die Dauer und die Folgen deſſel⸗ ben zu denken. Um aber zu hoͤren, in welchen Ver⸗ haͤltniſſen ſich Anna befinde, beſchloß er, die muntere


