94. dern wegen der Rolle, die Ihr bei der Hinrichtung des Statthalters von La Ferette geſpielt habt. Kennt Ihr den jähzornigen Herzog ſo wenig, daß Ihr meint, Ihr könnet ſicherer ſeinem Zorne trotzen, als einen ſchlafen⸗ den Löwen an der Mähne faſſen?“ 4
„Ich kenne ſeinen Charakter wohl, aber nicht um den Tod Hagenbachs zu entſchuldigen, begebe ich mich zu ihm, ſondern um ihn zu rechtfertigen. Der Herzog kann über ſeine Leibeigenen und Vaſallen nach Belieben das Todesurtheil ſprechen, mein Leben iſt aber durch einen Talisman geſchützt, gegen den alle ſeine Macht nichts vermag. Erlaubt mir dagegen, den Grund, den Ihr angeführt, gegen Euch ſelbſt zu gebrauchen; Ihr kennt den Herzog ſo gut als ich; Ihr waret vor Kurzem der Gaſt und Reiſegefährte von Leuten, deren Beſuch ihm höchſt unangenehm ſeyn wird, Ihr ſeyd wenigſtens dem Anſcheine nach in die Vorfälle in La Ferette ver⸗ wickelt, wie könnt Ihr alſo hoffen, ſeiner Rache zu ent⸗ gehen? Warum überliefert Ihr Euch freiwillig ſeiner Gewalt?«
„Erlaubt, ehrwürdiger Bater, daß jeder von uns ſein Geheimniß bewahre, ohne das des Andern anzuta⸗ ſten. Es iſt wahr, ich habe keinen Talisman, der mich gegen den Zorn des Herzogs ſchützen könnte, allein frü⸗ her hatte ich mehrere Geſchäfte mit dem Herzog, ich darf ſogar ſagen, daß er mir einige Verbindlichkeit hat, und ich hoffe, nicht nur meine Angelegenheiten nach Wunſche auszurichten, ſondern auch meinem Freund,


