86
Ufer des Rheins überzuſetzen, ſo haſt Du Deinen Weg ſo einzurichten, daß Du bei Straßburg wieder über den Fluß kömmſt; dort frage im geflügelten Hirſch— eine Herberge, die Du leicht finden wirſt— nach mir, und weiß man Dir keine Kunde von mir zu geben, ſo verfüge Dich ſogleich zum Herzog und übergieb ihm dieſes Paket.“
Bei dieſen Worten ließ er ſeinem Sohn vorſichtig, damit der Führer es nicht bemerkte, das Büchschen mit dem Brillantſchmucke in die Hand gleiten.
„Du weißt,“ fuhr er fort,„was Du weiter zu thun haſt, und ich beſchwöre Dich, laſſe Dich durch den Wunſch, zu erfahren, was aus mir geworden ſey, keinen Au⸗
genblick in Erfüllung Deiner Pflicht aufhalten. Und nun lebe wohl, mein geliebter Sohn, würde ich bis auf den Augenblick der Trennung warten, ſo hätte ich kei⸗ ne Zeit, dieß Wort zu Dir zu ſprechen, und nur Deine Augen allein ſollen die Thräne ſehen, die in den mei⸗ nigen quillt.“
Er trocknete die Thräne, die in ſein Auge getreten war, und, als hätte er gefürchtet, in ſeinem Ent⸗ ſchluſſe wankend zu werden, wenn er ſich der väterlichen Zärtlichkeit hingebe, rief er den Führer und fragte ihn, ob ſie noch weit von der Kapelle des Hanns ſeyen.
„Ungefähr eine Stunde,“ war deſſen Antwort.
Philipſon fragte ihn hierauf weiter, was zu Erbauung dersKapelle Veranlaſſung gegeben habe, und Barthel erzählte ihm:„Ein alter Schiffsmann, Hanns geheiſ⸗ ſen, habe lange an dieſem Ort gewohnt, und ſich durch


