81 ganz von dem Segen unſerer lieben Frau zur Fähre abhängt. 6—
„Der wackere Mann,“ ſprach die Dame in ernſtem, faſt ſtrengem Tone,„kennt alſo den Rhein nicht? Ich will ihm zeigen, wie wichtig es iſt, daß er Eurem Rathe folgt.“
Sie näherte ſich Arthur, und redete ihn ſchweizeriſch,
denn bisher hatte ſte deutſch geſprochen, an. „Hört mich, ohne Erſtaunen zu zeigen,“ ſagte ſie, und ihre Stimme war ganz die Anna's,„Ihr ſeyd von Gefahren umſtellt, man kennt den Zweck Eurer Reiſe und es iſt ein Anſchlag auf Euer Leben gemacht worden. Setzet in der Fähre, die zur Kapelle gehört, gewöhnlich Hannſenfähre genannt, über den Fluß.«
Der Wegweiſer war ihnen ſo nahe, daß ſie nichts weiter ſagen konnte, ohne von dieſem gehört zu wer⸗ den. In dieſem Augenblick flog ein Auerhahn aus dem Gebüſch, und die Dame ließ ihren Falken ſteigen. Wäh⸗
rend die Uebrigen ihre Aufmerkſamkeit ganz dieſem
Gegenſtande zuwendeten, fuhr Anna fort:„Setzt über
den Rhein in der Fähre, die Euch nach Kirchhof auf
der anderen Seite des Fluſſes bringt; ſteigt im golde⸗ nen Vließ ab, dort findet Ihr einen Führer, der Euch nach Straßburg geleitet. Ich kann nicht länger bleiben.“ Bei dieſen Worten ſetzte ſie ſich wieder im Sattel zurecht, berührte mit den Zügeln leicht den Hals ihres
Zelters und war bald den Blicken der Reiſenden ent⸗
ſchwunden. Walter Scott's Werke. 1598 Boͤchen. 6


