96
»Ich ſehe,“ ſetzte Philipſon hinzu,„daß er Euch in einer Nachſchrift bittet, ſeine Tochter an den Hof des Herzogs von Burgund zu ſeuden. Im Ganzen ſcheint mir dieſes Schreiben einen übermüthigen Mann zu ver⸗ rathen, der zwiſchen dem Andenken an alte Feindſchaft und Erkenntlichkeit für kürzlich geleiſtete Dienſte ſchwankt. Die Worte ſeines Boten waren die eines unverſchämten Untergebenen, der unter dem Vorwande, auf Befehl ſeines Herrn zu handeln, ſeiner Galle Luft machen wollte.«⸗
„Ich theile Eure Meinung.“
„Und habt Ihr nun im Sinn, das liebreizende Mäd⸗ chen einem, wie es ſcheint, eigenſinnigen Vater zurück⸗ zugeben, ohne daß Ihr wißt, in welcher Lage er ſich befindet, und ob er die Mittel beſitzt, für ihren Unter⸗ halt zu ſorgen.«
„Das Band, das den Vater an das Kind knüpft,« antwortete lebhaft der Landammann,„iſt das erſte und heiligſte von allen, die das menſchliche Geſchlecht kennt. Die Schwierigkeit, meine Nichte dieſe Reiſe ohne Ge⸗ fahr machen zu laſſen, iſt der einzige Grund, der mich bisher gehindert hat, dem Wunſche meines Bruders nachzukommen; da ich nun aber wahrſcheinlich ſelbſt an Karls Hof gehe, ſo ſoll Anna mich dorthin begleiten. Von meinem Bruder, den ich ſchon viele Jahre nicht geſehen habe, werde ich erfahren, welche Plane er mit. ſeiner Tochter hat, und vielleicht kann ich ihn beſtim⸗ men, daß er ſie noch länger meiner Pflege anvertraut. Und nun, mein Herr, da ich Euch meine Familienan⸗ gelegenheiten, vielleicht weitläufiger, als es nothwen⸗


