91 daß er dort verdaͤchtig geworden, und, wie dieß an Fürſtenhoͤfen ſo oft vorkommt, verbannt worden ſey⸗ Kurz daranf, es ſind jetzt, glaube ich, ſieben Jahre her, kam ich von der Jagd jenſeits des Stromes, und ging uͤber den Hof des alten Schloſſes, um nach Hauſe zuruͤckzukehren, als ich eine Stimme mir zurufen hoͤrte: „Mein Oheim, erbarmt Euch meiner!“ Ich wandte mich um, und ſah ein Maͤdchen von ungefaͤhr zehn Jahren zwiſchen den Ruinen hervorkommen; es naͤ⸗ herte ſich mir ſchuͤchtern, warf ſich mir zu Fuͤßen und ſagte mit gefalteten Haͤndchen und Todtenblaͤſſe auf dem Geſicht:„Mein Oheim, ſchonet mein Leben le⸗
„Bin ich Dein Oheim, Mädchen?“ fragte ich;„wenn ich es bin, warum fürchteſt Du mich?“
„Weil Du das Haupt der böſen Männer biſt, die ſich eine Freunde daraus machen, edles Blut zu ver⸗ gießen,“ antwortete ſie mir mit überraſchender Herz⸗ haftigkeit.
„Wie heißt Du?“ fragte ich weiter,„und wer hat Dich hieher geführt, damit Du ſeheſt, ob Dein Oheim dieſem unvortheilhaften Gemälde gleiche?“
„Ital Schreckenwald hat mich hieher geführt,“ ev⸗ wiederte ſie, meine Frage nur halb verſtehend.
„Ital Schreckenwald,“ wiederholte ich außer mir, als ich den Namen eines Böſewichts nennen hörte, den ich zu verabſcheuen ſo viel Gründe hatte. Eine Stimme ans den Ruinen hervor, gleich dem dumpfen Echo in einem Grabgewölbe, antwortete: Ital Schreckenwald, und der Elende trat aus einem Winkel hervor, ohne


