86 daß ich des Rangs und der Gerechtſame verluſtig gehe, die meine Ahnen auf mich vererbt haben.“« Darüber gerieth mein Vater in gewaltigen Zorn und erwiederte: „„Gehe, ſtolzer Knabe, und laß dir von einem fremden Fürſten gegen den Willen deines Baters Recht ſpre⸗ chen, gieb dem Feinde deines Landes einen Vorwand, ſich in ſeine inneren Angelegenheiten einzumiſchen, gehe, aber erſcheine nie wieder vor mir und fürchte meinen ewigen Fluch. Gℳ „Albert wollte eben ſo heftig antworten, als ich ihn beſchwor, zu ſchweigen, und mich reden zu laſſen.„„Ich habe immer die Berge mehr geliebt, als die Ebenen,“« ſagte ich nun zu meinem Vater,„„das Reiten gefällt mir weniger, als das Gehen, ich bin ſtolzer darauf, un⸗ ſern Hirten den Preiß im Spiele abzugewinnen, als mit Edlen in die Schranken zu treten, ein Tanz in unſerm Dorfe macht mir mehr Vergnügen, als alle die glänzenden Feſte in Deutſchland, und wenn ihr mir hundertfältigen Gram und Kummer erſparen wollt, ſo erlaubt mir, daß ich freier Bürger von Unterwalden werde, und mein Bruder die Grafenkrone von Geyer⸗ ſtein trage, und die damit verknüpften Würden genieße.«« »Nach einigem Widerſpruch fügte ſich mein Vater endlich in meinen Vorſchlag, um ſeinen Lieblingsplan ausführen zu können. Mein Bruder wurde zum Er⸗ ben ſeines Ranges und Herrſchaft erklärt; ich nahm Beſitz von den fruchtbaren Feldern und Wieſen, in deren Mitte mein Haus ſteht, und meine Nachbarn nennen mich Arnold Biedermann.“
Teil eines Werkes
157. Bändchen = Neue Folge, 7. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 1. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
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