—
101
nunft und Stolz rathen mir zu ſchweigen, aber das Schickſal zwingt mich, und ich muß gehorchen. Ich bin im Begriff, in Euch das tiefſte und theuerſte Ge⸗ heimniß niederzulegen, das je einem Manne anver⸗ traut wurde. Aber nimmt Euch in Acht— ende die⸗ ſes Geſpraͤch, wie es will— nimmt Euch in Acht, daß Ihr keine Sylbe von dem ausathmet, was ich Euch anvertrauen will; denn wißt, geſchaͤhe es auch im entfernteſten A inkel von Schottland, ich haͤtte Ohren, es ſelbſt da zu hoͤren, und eine Hand und einen Dolch, des Verraͤthers Buſen zu erreichen.— Ich bin— aber das Wort will nicht heraus!“
„So ſprecht es nicht,“ ſagte der lunge Handſchuhma⸗ cher;„ein Geheimniß iſt nicht mehr ſicher, wenn es uͤber die Lippen des Beſitzers gegangen iſt; und ich wuͤnſche kein ſo gefaͤhrliches Vertrauen, womit Ihr mich bedroht.«
„Ach, aber ich muß ſprechen, und Ihr müͤß t hoͤren,“ ſagte der Jüngling.„Habt Ihr an, Vater, in die⸗ ſer kriegeriſchen Zeit gekaͤmpft?“
„Nur einmal,“ erwiederte Simon,„als der Suͤd⸗ laͤnder die ſchoͤne Stadt angriff. Ich wurde aufgefor⸗ dert, meinen Theil an der Vertheidigung zu uͤberneh⸗ men, den meine Stellung forderte, wie die anderer Sandwertsleute, welche verpflichtet ſind, Wache zu halten.“
„Und welche Gefuͤhle hattet ihr hiebei?“ fragte der junge Haͤnptling.
„Wie kann das hieher gehoͤren?“ ſagte Simon, et⸗ was erſtaunt.
„Sehr wohl, ſonſt haͤtte ich die Frage nicht gemacht,“ antwortete Eachin, in dem ſrolzen Tone, den er bis⸗ weilen anughm.
„Ein alter Mann laͤßt ſich leicht bewegen, von al⸗ ten Zeiten zu ſprechen,“ ſagte Simon, der nach eiui⸗ gei Nachdenten die Unterhaltung nicht ungern von


