35 „Ich habe, ſo viel ich weiß, keine Diener, die fähig ſind, die Ungnade Eurer Hoheit zu wagen.“— „Ich will Offenheit, junger Menſch! Wo warſt du in der Nacht vor St. Valentin?“
„Es iſt vorauszuſetzen, daß ich den guten Heiligen diente, wie ein frommer Mann es ſoll,“ ſagte der Prinz nachläßig.
„Wollte der Prinz, mein Neffe, uns berichten, wo ſich ſein Stallmeiſter die Nacht vor dieſem ſchönen Feſte befand?“ fragte der Herzog Albany.
„Sprich Robert, ich befehle es dir zu ſprechen,“ ſprach der König.
„Ramorny war in meinem Dienſte beſchäftigt. Ich glaube, dieſe Antwort kann meinem Oheim genügen.“
„Aber mir genügt ſie nicht,“ antwortete der unzu⸗ friedene Vater.„Gott weiß, daß ich nie gewünſcht habe, Blut fließen zu ſehen. Aber ich will den Kopf dieſes Ramorny haben, wenn das Geſetz mir ihn geben kann. Er war der Genoſſe und Rathgeber bei deinen Laſtern und Thorheiten. Ich will dafür ſorgen, daß er es nicht mehr iſt. Ruft Mac⸗Louis mit einer Wache.“
„Verurtheilt keinen Unſchuldigen,“ ſagte der Prinz, zu allen Opfern entſchloſſen, um ſeinen Günſtling vor der ihn bedrohenden Gefahr zu ſchützen.„Ich gebe Euch mein Wort, daß Ramorny in meinem Dienſt be⸗ ſchäftigt war und alſo nicht in dieſe Streitigkeit ver⸗ wickelt ſeyn konnte.“
„„Du willſt mich durch eine falſche Zweideutigkeit be⸗ trügen,“ erwiederte der König, indem er dem Prinzen
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