113 den Kopf in den Händen verborgen, kurz, in einer Stellung, die die höchſte Verzweiflung ausdrückte.
Der Waffenſchmied ſuchte hier ſein Herz gegen dieſen Anblick zu verhärten:„Es iſt nur eine Rolle, die ſie ſpielt,“ ſagte er ſich ſelbſt,„das Mädchen verſteht ihr Handwerk, das wollte ich bei St. Ringam ſchwören.“
In demſelben Augenblick berührte etwas den Saum ſeines Mantels, er ſah um ſich und erblickte den kleinen Wachtelhund, der, als wollte er für ſeine Gebieterin bitten, ſich auf die Hinterpfoten ſtellte und zu tanzen anfing, indem er zugleich ſeufzte und Louiſe anſah; man hätte ſagen können, er ſpreche das Mitleid für das verlaſſene Mädchen an.
„Armes Thier,“ ſagte der Waffenſchmied,„du ſpielſt vielleicht auch nur eine Rolle; denn du wiederholſt, was man dich gelehrt hat. Aber dennoch, da ich ein⸗ mal verſprochen habe, dieſes Geſchöpf zu beſchützen, ſo darf ich ſie nicht, im Fall es ihr Ernſt iſt, in Ohn⸗ macht liegen laſſen, wenn es auch nur aus Menſchlich⸗ keit geſchieht.“.
Heinrich kehrte um und näherte ſich Louiſen. Er überzeugte ſich gleich durch ihre veränderte Geſichtsfar⸗ be, daß ſie wirklich krank ſey, oder das Talent der Verſtellung weiter treibe, als ein Mann und ſelbſt als ein Weib es begreifen könne..
„Junges Mädchen,“ ſagte er mit milderer Stimme, vich will Euch offen von meiner Lage unterrichten. Es iſt heute der St. Valentinstag nnd ich ſollte ihn nach dem Gebrauch bei meiner ſchönen Valentine zubringen. Aber Schläge und Streit haben mich den ganzen Vor⸗ mittag beſchäftigt. Ihr werdet leicht begreifen können, wo mein Herz und meine Gedanken eben ſind, und wo ich ſelbſt, wenn auch nur aus Höflichkeit ſeyn ſollte.«
Die Sängerin hörte ihn und ſchien ihn zu verſtehen.
„Wenn Ihr ein treuer Liebender ſeyd,“ ſagte ſie, „und eine keuſche Valentine habt, ſo verhüte Gott,
Walter Scott's Werke. 1528 Boͤchen. 8


