98 Hieher, wer Douglas liebt! Jagt mir dieſe Bettlerin mit Fußtritten aus dem Kloſter, und laßt ſie ſo peit⸗ ſchen, daß ſie bis an den letzten Lebenstag ſich erin⸗ nert, einem jungen Tollkopf Gelegenheit zu einer Be⸗ leidigung gegen Donglas gegeben zu haben.“
Mehrere kamen herbei, um Befehle auszurichten, die ſelten umſonſt gegeben werden, und die arme Loniſe hätte eine Beleidigung grauſam gebüßt, deren unſchul⸗ dige und unfreiwillige Ürſache ſte war, hätte ſie der Herzog von Rothſay nicht in Schutz genommen.
„Die arme Sängerin mit Fußtritten hinausjagen,“ ſagte er unwillig,„ſie peitſchen, weil ſie mir gehorcht hat? gib Du Deinen unglücklichen, unterdrückten Va⸗ ſallen Fußtritte, wilder Graf; peitſche Deine Wind⸗ hunde, wenns nöthig iſt; aber nimm Dich in Acht, auch nur einen Hund zu berühren, den der Herzog von Rothſay geliebkost hat, und noch weniger ein Mäd⸗ chen, deſſen Lippen er an die ſeinen gedrückt hat.“
Ehe Douglas ſeine Antwort, die ohne Zweifel heraus⸗ fordernd geweſen wäre, vernehmen laſſen konnte, erhob ſich ein großer Lärm an der äußern Kloſterpforte und es drängten ſich Menſchen, theils zu Fuß, theils zu Pferd an den Eingang des Hofs, ſie ſchlugen ſich zwar nicht, ſchienen aber doch feindliche Abſichten gegenein⸗ ander zu haben.
Einige kannte man als Anhänger der Douglas an dem blutenden Herzen, das ſie auf der Schulter geſtickt trugen, die andern waren Bürger der Stadt Perth. Sie ſchienen ſich, ehe ſie ins Kloſter drangen, geſchla⸗ gen zu haben, aber aus Ehrfurcht vor einem heiligen Ort ſenkten ſie beim Eintritt die Waffen und begnüg⸗ ten ſich mit Worten und Schimpfreden zu ſtreiten. Dieſes Getümmel hatte die gute Wirkung, den Prinzen und Douglas in dem Augenblick zu trennen, wo der Leichtſinn des einen und der Stolz des andern ſie zur äußerſten Heftigkeit getrieben hatte. Aber von allen Seiten erſchienen Friedensſtifter.


