68 aber ſonſt nicht an ihm bemerkte und ſagte:„Prior Anſelm, wenn ihr in meinem Betragen als König oder als Privatmann etwas entdeckt habt, was eine ſolche Rüge verdient, wie ſie eure Worte enthalten, ſo iſt es eure Pflicht, euch deutlich zu erklären und ich befehle es euch.
„Es ſoll geſchehen, Sire,“ erwiederte der Prior mit einer tiefen Verbeugung; dann erhob er ſich wieder, gab ſich das Anſehen der ſeinem Rang gebührenden Würde und ſagte:„Vernehmt aus meinem Munde die Worte unſers heiligen Vaters, des Nachfolgers des heiligen Petrus, dem übertragen worden ſind die Schlüſ⸗ ſel mit der Gewalt zu binden und zu löſen. Warum, Robert von Schottland, haſt du nicht eingeſetzt auf den Stuhl des heiligen Audreas, Robert von Waraw, wie der Pabſt dir befohlen hatte? Warum bekennen deine Lippen ehrfurchtsvolle Unterwürfigkeit gegen die Kirche, während deine Thaten den Ungehorſam und die Halsſtarrigkeit deines Herzens beurkunden? Gehor⸗ ſam iſt beſſer, denn Opfer.-
„Herr Prior,“ ſagte der Monarch in einem, ſeinem hohen Range angemeſſenen Tone:„es iſt nicht an uns, euch hievon Rechenſchaft zu geben, denn das iſt eine Angelegenheit, die uns und die Staaten unſeres Reichs betrifft, unſer Gewiſſen aber nichts angeht.⸗
„Ach!“ verſetzte der Prior,„und weſſen Gewiſſen wird ſie am jüngſten Tage angehen? welcher eurer mächtigen Lords und eurer reichen Bürger wird ſich zwiſchen den König und die Strafe ſtellen, in die er verfallen iſt, daß er ihren weltlichen Rath in kirchli⸗ cher Angelegenheit befolgte? Wiſſe, mächtiger König, daß, wenn die ganze Ritterſchaft deines Reiches in Schlachtordnung vor dir aufgeſtellt wäre, um mit ib⸗ ren Schilden den Blitz aufzufangen, ſie verzehrt würde, wie ein Stück trockenes Pergament, in einen Feuerofen geworfen.“


