61 er und ſein Begleiter zu weit entfernt, als daß ich ſie noch haͤtte hoͤren koͤnnen. Meine Aufwallung legte ſich bald, wenn ich bedachte, daß mir Andreas nach ſeiner Weiſe zurufen koͤnnte:„Der Horcher an der Wand, höoͤrt ſeine eigene Schand.“ Jeder, der zufaͤlliger Weiſe ſich von ſeinen Be⸗ dienten beurtheilen hoͤrt, muß ſich auf ein ſolches Scalptr⸗ meſſer gefaßt machen. Der Vorfall war mir in ſoweit nuͤz⸗ lich, daß er, ſo wie die Gedanken, denen er Entſtehung gab, mir die Zeit verkuͤrzte, die ſo ſchwer auf mir laſtete.
Die Nacht war nun eingebrocen, und die wachſende Dunkelheit gab dem breiten, ſtillen Bette des tiefen Fluf⸗ ſes zuerſt eine einfoͤrmig duſtere Farbe, dann ein truͤbes Anſehen, hie und da von dem matten Mondlicht erheut. Die maͤckige alte Bruͤcke war jezt kanm ſichtbar, und glich jener, die nach Mirzas unvergleichlichem Traumbild ube r das Thal von Bagdad ſich wolbte. Die niedrigen Bogen, verdunkelt wie der Strom, glichen eher Hoͤhlen, die das duͤſtre Waſſer verſchlangen, als Oeffnungen fuͤr den Durch⸗ gang. Mit dem Vorruͤcken der Nacht wurde die Seene im⸗ mer ſtiller. Nur zuweilen glitt an dem Fluſſe hin ein ſchimmerndes Licht, das eine kleine Geſellſchaft nach Hauſe begleitete, die nach den Andachtsubungen und der Enthalt⸗ ſamkeir, die der feſtliche Tag auferlegte, ein geſellſchaftli⸗ ches Akeudmahl eiugenemmen hatte, das einzige, das die ſtrengen Presbyterianer am Feſttag ſich Erlauben. Zuwei⸗ len ließ ſich der Hufſchlag eines Pferdes hoͤren, das einen Landmann, der den Feſttag in Glasgow zugebracht hatte, nach Hauſe tragen mochte. Dieſe Toͤne un Erſcheinungen wurden immer ſeltener, endlich hoͤrten ſie ganz auf, und ich genoß nun allein meinen einſamen Spaziergang an den


