Teil eines Werkes 
102. Band, Robin der Rothe : 3. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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55 Fuͤnftes Kapitel.

Auf der Rialtobrücke jede Nacht um zwölf Uhr geh' ich ſinnend auf und nieder.

Dort wolen wir uns treffen!—— Das gerettete Venedig.

Voll von finſtern Ahnungen, wofuͤr ich mir keinen ge⸗ nuͤgenden Grund angeben konnte, ſchloß ich mich im Gaſt⸗ hofe in mein immer ein, nachdem ich Andreas mit einer abſchlaͤglichen Antwort auf ſein ungeſtuͤmmes Zureden, ihn nach der Skt. Enochs⸗Kirche zu begleiten, wo„ein herzruͤh⸗

render Prediger ſich hoͤren laſſen werde,“ entlaſſen hatte. Ich zog nun in ernſte Betrachtung, was nun das beſte ſeyn

moͤchte. Nie war ich, was man ſo eigentlich aberglaͤubiſch nennt, ich glaube aber, alle Menſchen ſind in beſonders ungewiſſen und ſchwierigen Lagen, wenn ſie ſehen, daß ihr Verſtand nicht ausreichen will, geneigt, in einer Art von Verzweiflung der Einbildungskraft die Zuͤgel zu laſſen, und ſich entweder ganz vom Zufall, oder von jenen grillenhaf⸗

ten Eindruͤcken leiten zu laſſen, die unſer Gemuth ergrei⸗

fen, und denen wir uns hingeben, als waͤren es unwill⸗ kürliche Eingebungen. In den harten Zuͤgen des ſchotti⸗ ſchen Kaufmanns lag etwas ſo auffallend Zuruͤckſtoßendes, daß ich mich nicht entſchließen konnte, mich in ſeine Haͤnde zu geben; ich baͤtte jede Vorſicht aus den Augen geſetzt,

welche mir die Regeln der Phyſiognomik anbefahlen. Auf

der andern Seite harte die warnende Stimme hinter mir, die Geſtalt, die gleich einem fluͤchtigen Schatten in jenen Hallen verſchwunden war, die man das Thal, der Schatten des Todes hätte nennen koͤnnen, etwas lockendes fuͤr die